Wenn Sie eine Mitteilung darüber erhalten haben, dass ein Unternehmen oder eine Person Mitteilung über Sie beim NCMEC gemacht hat steht schnell die Frage im Raum: Wie lange dauert es, bis nach einer Meldung an das NCMEC tatsächlich eine Hausdurchsuchung erfolgt? Als Anwalt für Kinderpornografie habe ich eine Vielzahl von Akten ausgewertet und konkrete Zeiträume ermittelt. Diese Zahlen zeigen deutlich, wie unberechenbar das Verfahren ist.
Durchschnittliche Dauer: Sieben Monate bis zur Durchsuchung
Im Durchschnitt vergehen etwa 217 Tage – also gut sieben Monate – zwischen dem ursprünglichen Ereignis und der tatsächlichen Durchsuchung. Dabei handelt es sich um einen Mittelwert. Einzelne Verfahren können deutlich schneller verlaufen, andere aber erheblich länger dauern.
Breite Bandbreite: Zwischen 5 und 17 Monaten
Die Spannweite ist enorm. In meinen Akten finden sich Fälle, in denen eine Durchsuchung bereits nach fünf Monaten erfolgte (z. B. bei Microsoft-Meldungen). Auf der anderen Seite gibt es Fälle, die sich über 17 Monate hinzogen (z. B. bei KIK/MediaLab). Das bedeutet: Es gibt keine verlässliche Prognose. Die Bandbreite reicht von einem halben Jahr bis weit über ein Jahr.
Verzögerungen beginnen schon in den USA
Bereits der Zeitraum vom Ereignis bis zur Meldung an das NCMEC schwankt stark:
- Sofortmeldungen sind möglich (0 Tage).
- In manchen Fällen dauert es jedoch bis zu 68 Tage, also mehr als zwei Monate, bis eine Meldung überhaupt registriert wird.
- Durchschnittlich beträgt die Verzögerung rund 10 Tage.
Das bedeutet: Noch bevor deutsche Behörden tätig werden, können im Ausland Wochen vergehe
Wo entstehen die Verzögerungen?
Die Analyse zeigt die wirklich entscheidenden Faktoren im Gang zwischen :
- Anbieter: Die Übermittelung der Daten vom Anbieter zum NCMEC kann Dauern (KIK!), ist aber insgesamt nicht der entscheidende Faktor.
- BKA: Die Übergabe durch das Bundeskriminalamt verzögert das Verfahren häufig aber nicht langfristig. Die Erfahrung zeigt: die Anlieferung der Bestandsdaten dauert einige Zeit.
- Polizei (In Niedersachsen das LKA): Hier entstehen die größten Bearbeitungszeiten. Bis die Akte bearbeitet wird, vergehen im Schnitt mehrere Monate.
- Staatsanwaltschaft: Hat nur geringen Einfluss auf die Gesamtdauer. Aber auch hier können Wochen vergehen.
- Gerichte: Sind nicht der Engpass. Liegt ein Antrag vor, ergeht der Durchsuchungsbeschluss meist innerhalb weniger Tage.
- Umsetzung des Durchsuchungsbeschlusses: Auch hier sind lange Zeiten bis die Durchsuchung erfolgt möglich.
Damit ist klar: Nicht die Ermittlungsrichter verzögern die Verfahren, sondern die Ermittlungsbehörden.Das bedeutet: Je nach Plattform kann sich der gesamte Ablauf massiv unterscheiden.
| Anbieter | Ereignis | Cybertipline | BKA | LKA/Polizei | StA | Antrag StA | Beschluss | Vollstreckung | Gesamtdauer | Entspricht |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Durchschnittswerte | – | 12,20 | 11,53 | 104,89 | 38,16 | 22,06 | 7,65 | 44,32 | 217,00 | 7 Monate 7 Tage |
| Microsoft Skype Photosharing | Nov. 20 | 1 | 3 | 148 | 11 | 77 | 1 | 103 | 344 | 11 Monate 14 Tage |
| Microsoft Bing Image | Juli 22 | 0 | 0 | 33 | 8 | 70 | 6 | 43 | 160 | 5 Monate 10 Tage |
| KIK/ MediaLab | Juli 22 | 16 | 78 | 341 | 16 | 18 | 3 | 56 | 528 | 17 Monate 18 Tage |
| Sept. 22 | 1 | 3 | 170 | 11 | 14 | 15 | 34 | 248 | 8 Monate 8 Tage | |
| Microsoft Binge Image | Nov. 22 | 1 | 1 | 191 | 10 | 19 | 15 | 57 | 294 | 9 Monate 24 Tage |
| KIK / Media Lab | Dez. 22 | 25 | 1 | 67 | 2 | 19 | 17 | 14 | 145 | 4 Monate 25 Tage |
| Dropbox | Mai 23 | 1 | 18 | 280 | 0 | 45 | 4 | 15 | 363 | 12 Monate 3 Tage |
| Google Reviewer | Mai 23 | 5 | 1 | 20 | 30 | 33 | 14 | 61 | 164 | 5 Monate 14 Tage |
| Bing Image | Juni 23 | 0 | 5 | 13 | 10 | 22 | 21 | 77 | 148 | 4 Monate 28 Tage |
| Discord | Okt. 23 | 0 | 1 | 6 | 13 | 21 | 6 | 71 | 118 | 3 Monate 28 Tage |
| Okt. 23 | 3 | 1 | 10 | 11 | 20 | 1 | 27 | 73 | 2 Monate 13 Tage | |
| Google Reviewer | Nov. 23 | 1 | 3 | 10 | 6 | 6 | 2 | 20 | 48 | 1 Monate 18 Tage |
| Microsoft Bing Image | Dez. 23 | 1 | 2 | 31 | 55 | 0 | 5 | 44 | 138 | 4 Monate 18 Tage |
| KIK / MediaLab | Jan. 24 | 40 | 4 | 35 | 5 | 3 | 5 | 8 | 100 | 3 Monate 10 Tage |
| KIK / MediaLab | Mai 24 | 36 | 1 | 154 | 38 | 8 | 7 | 21 | 265 | 8 Monate 25 Tage |
| KIK / MediaLab | Aug. 24 | 5 | 3 | 148 | 27 | 14 | 7 | 64 | 268 | 8 Monate 28 Tage |
| KIK / MediaLab | Juni 24 | 13 | 1 | 160 | 373 | – | 8 | 127 | 337 | 11 Monate 7 Tage |
| KIK / MediaLab | Sept. 24 | 2 | – | – | 0 | 0 | 0 | – | – | Fallakte |
| KIK / MediaLab | Okt. 24 | 25 | 1 | 137 | 20 | 8 | 16 | – | – | Fallakte |
| Snapchat | Juli 24 | 68 | 92 | 39 | 79 | – | 0 | 0 | – | Fallakte |
| Snapchat | März 23 | 1 | 2 | 67 | 17 | 14 | 7 | 57 | 165 | 5 Monate 15 Tage |
| Dropbox | Juni 23 | 1 | 1 | 20 | 10 | 12 | – | 0 | – | Fallakte |
| Dropbox | Juni 23 | 1 | 1 | 10 | 9 | – | 0 | 0 | – | Fallakte |
| Snapchat | Juli 23 | 0 | 1 | 9 | 17 | 12 | – | 0 | – | Fallakte |
Hinweis: Alle Werte in Tagen nach dem vorherigen Ereignis. Fallakte: Bei Fallakten werden Durchsuchungen gemeinsam mit dem ersten Fall durchgeführt; daher bricht die Kette ggf. ab.
KEINE Zeit Verlieren: Betroffene können Hausdurchsuchung vorbereiten oder verhindern!
Von NCMEC-Meldungen Betroffene haben grundsätzlich drei Handlungsmöglichkeiten:
- Abwarten und das beste hoffen. Es ist tatsächlich so, dass ein Teil der Cybertipline-Meldungen nie über das BKA hinausgehen und somit auch kein förmliches Ermittlungsverfahren begründen. Wer sich also total sicher ist, dass niemals ein Verdacht bestehen bleiben kann, nachdem ein Mensch die automatisierte Meldung des NCMEC anschaut, kann sich beruhigen und die Sache aussitzen. Aus anwaltlicher Sicht ist das nur die richtige Strategie, wenn es ausgeschlossen ist dass die Meldung irgendeinen Zusammenhang mit pornografischen Inhalten hat oder haben könnte. Dieses Aussitzen ist regelmäßig mit Risiken einer unvorbereiteten Hausdurchsuchung verbunden.
- Eine Hausdurchsuchung kann auch gezielt vorbereitet werden. Wenn der Zugriff der Behörden unausweichlich erscheint, sollte mit Hilfe eines Spezialisten für Kinderpornografie besprochen werden, was genau die Polizei sucht und welche technischen Fähigkeiten sie hat. Danach kann ein (künftiger) Beschuldigter dann sein Verhalten ausrichten. Gut vorbereitet ist auch der „Durchsuchungs-Schock“ abzumilden. Fachanwalt Daniel Brunkhorst aus Hannover bietet dazu Beratung an.
- Die wohl für viele Fälle effektivste und sicherste Methode ist es aber, offensiv auf die Behörden zuzugehen UND eine Durchsuchung vorzubereiten. Mittels einer Schutzschrift gegen die Durchsuchung bei NCMEC-Verfahren haben wir mehrfach und wiederholt erreicht, dass die Polizei nicht durchsucht hat, weil allen Beteiligten klar war, das keine Beweismittel zu erlangen waren. Dieses Vorgehen muss wohlüberlegt und durch einen erfahrenen Spezialisten vorbereitet sein, denn es gilt insbesondere zu vermeiden Beweismittel zu produzieren. Hierbei ist insbesondere an die Enttarnung des tatsächlichen Nutzers ein IP-Adresse oder eines Accounts zu denken.
Fazit: Unsicherheit ist Teil des Systems
Aus anwaltlicher Sicht ist entscheidend: Betroffene können nie genau wissen, wann die Durchsuchung kommt. Mal stehen die Ermittler schon nach einem halben Jahr vor der Tür, mal vergeht über ein Jahr. Diese Unsicherheit macht es umso wichtiger, frühzeitig anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Hinweis: Mit welchen Daten arbeiten wir
Die oben gezeigte Tabelle ist durch Auswertung von Ermittlungsakten in der Kanzlei bbr.legal entstanden. Konkret sind es Akten, die Rechtsanwalt Brunkhorst in einer Woche im September 2025 „in der Hand gehalten hat“ (tatsächlich arbeitet die Kanzlei komplett digital) und bei dieser Gelegenheit die Daten erfasst hat. Die Auswahl ist damit willkürlich und zufällig, zeigt aber nach Überzeugung von RA Brunkhorst ein übliches Bild bei § 184b-Verfahren. Der Datensatz soll später aktualisiert werden.
Ihr Fachanwalt für Strafrecht
Wenn Sie eine Hausdurchsuchung befürchten oder bereits Post von den Ermittlungsbehörden erhalten haben: Warten Sie nicht ab. Sprechen Sie mit einem erfahrenen Anwalt für Kinderpornografie, bevor Sie Angaben machen. Ich biete Ihnen eine diskrete und professionelle Ersteinschätzung – auf Wunsch auch per sicherem Videocall.
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Nach meiner Auswertung dauert es im Durchschnitt rund 7 Monate, bis nach einer NCMEC-Meldung eine Hausdurchsuchung in Deutschland erfolgt. In Einzelfällen geht es schneller (5 Monate) oder deutlich länger (über 17 Monate).
Die Dauer hängt stark davon ab, wie schnell die Meldung von den US-Behörden über das BKA an die deutsche Polizei weitergegeben wird. Manche Anbieter wie Instagram werden rasch bearbeitet, während Verfahren bei Diensten wie KIK oder Dropbox häufig über ein Jahr dauern.
Die größte Verzögerung entsteht bei der Übernahme durch Polizei und Staatsanwaltschaft. Gerichte entscheiden erfahrungsgemäß schnell, sobald ein Antrag gestellt ist. Die Praxis zeigt: Nicht die Richter, sondern die Ermittlungsbehörden verursachen die langen Wartezeiten.
